D e i n W u n s c h
von Christiane Schwarze
Version 05.11.03
Du liegst unter dem Sternenhimmel, ein
kleines Feuer prasselt leise.
Dein Blick hält sich an der Glut fest, unsere Hände verschränken
sich ineinander,
um gemeinsam Kraft zu sammeln für deinen Weg.
Die Krankenschwester legt eine wärmende Wolldecke auf deinen
sich verabschiedenden Körper,
stützt den Kopf, damit der Mund das gereichte Wasser findet.
Du wolltest diesen wichtigen Moment nicht in fremden vier Wänden
erleben,
du sagst, das sei kein Platz, um zum Ende der Schmerzen zu gehen.
Warum, fragte ich mich, war es ein aussichtsloser Kampf, dir
diesen kleinen Wunsch zu erfüllen :
Ich sollte dein Bett hinausschieben, auf den grünen Gürtel des
funktionalen Betongebäudes.
Du hast Wiesen immer sehr geliebt, und dies ist noch nicht einmal
eine,
aber du hättest dich auch mit dem blumenlosen Rasen zufrieden
gegeben.
Dieses Haus braucht keine Gitter, Sterbende machen keine
Fluchtversuche.
Hätte ich nicht protestiert, lägest du in dem kleinen Raum am
Ende des Flures.
Um mich zu beruhigen, bekamst du ein Zimmer mit Fensterplatz,
an dem wenigstens der Mond deine Wange berührt.
Dein Leben hätte einen anderen Abschied verdient;
allen die hier in der Zwischenzeit liegen, wünschte ich einen
anderen Abschied.
Die Verantwortlichen geben sich Mühe.
Die Schwestern sind freundlich, obwohl sie für zuviel Krankheit
und Tod zuständig sind.
Auch die Ärzte sind nicht gleichgültig, sondern nicken dir zu.
Aber selbst ich, die nie Angst hatte vor dem Tag, der das Leben
abrundet,
fühle das Grauen dieses perfekt organisierten Ortes.
Obwohl ich Dein Fenster öffnen durfte, scheint selbst die
Abendluft sich abzuwenden.
Ich wünschte, du lägest unter dem Sternenhimmel, und ein
kleines Feuer prasselte leise.
Dein Blick hielte sich an der Glut fest, unsere Hände verschränkten
sich ineinander,
um gemeinsam Kraft zu sammeln für deinen Weg.
Mit freundlicher Genehmigung von Fr. Christiane Schwarze
Das Kurzprosastück "Dein Wunsch" entstammt dem 2. Buch
der Autorin. Christiane Schwarze: Meine Tage wurden wie
schimmernder Opal Mauer Verlag ISBN 3-9331627-64-0 Ladenpreis: 24.80
DM
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